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Von der großen Sehn-Sucht - Ein Theaterstück zum Thema Sucht im Haus am Anger

Alkohol und Lena
Kirsten Mohri in der Rolle von Pat, der jüngsten Schwester, die sich alleine fühlt und dann abrutscht.

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht und Drogen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen bzw. Pädagogen endet meistens damit, dass letztere den Heranwachsenden aufzeigen, "wohin das alles führt". Dabei ist es viel wichtiger, auf die Ursachen des Drogenkonsums einzugehen. Wie kommt jemand dazu, Drogen zu nehmen? Jeder weiß schließlich, dass Drogen gefährlich bzw. schädlich sind.

Das Theaterstück "Sehne mich süchtig" , das am 18.02.2010 im Haus am Anger aufgeführt wurde, geht genau auf diese Fragestellung ein. Es zeigt, dass der Konsum von Drogen auf einer Sehnsucht beruht, die dort, wo sie auf "gesundem" Wege keine Erfüllung findet, nämlich in der Familie, im Freundeskreis, in der Gesellschaft, ein Ventil im Drogenrausch sucht.

Die Antwort, die das Theaterstück bereit hält, ist denn auch folgerichtig die, dass es eine Auseinandersetzung mit dieser Sehnsucht geben muss, die letztlich nur Liebe, Geborgenheit und Anerkennung meint. Die Heranwachsenden dürfen nicht allein gelassen und ihre Sehnsucht muss ernst genommen werden. Wenn dies der Fall ist, kann verhindert werden, dass sie (die Sehnsucht) sich an den falschen "Gegenstand" bindet.

Die Botschaft des Stückes ist nicht neu, auch nicht die Art der Darstellung. Trotzdem mangelt es dem Stück nicht an Originalität. Diese entsteht insbesondere aus dem Mix aus einer überzeugenden schauspielerischen Leistung und eines am Zuschauer orientierten Theaterkonzepts.

Das Ensemble, im Kern bestehend aus Kirsten Mohri und Beate Albrecht, ist schon gut bekannt in Falkensee, genauer: im Haus am Anger und in der Kantschule. Diese beiden Schauspielerinnen haben schon mehrere Stücke zu aktuellen Themen den Schülern vorgespielt und sie auf diesem Weg sowohl für spezielle Jugendthemen als auch für das Theater sensibilisiert. Ihr Theaterkonzept lässt zwei Wegmarken erkennen: aus dem Leben schöpfen und zu den Menschen hingehen. Ersteres meint, dass sie aus eigenen Erfahrungen oder aus denen von unmittelbar Betroffenen ihre Ideen schöpfen, wobei Betroffene auch immer wieder als Akteure in ihren Stücken mit auftreten. Zu den Menschen hingehen bedeutet, dass sie als Wandertheater (Shakespeare lässt grüßen!) je nach Anfrage zu ihrem Publikum hinziehen. Da sie vor allem junge Leute ansprechen wollen, sind Schulen oder Einrichtungen der Jugendarbeit ihre bevorzugten Auftrittsorte. Die Schüler können somit aus nächster Nähe Schauspieler sehen, einmal in ihren Rollen im Stück, dann als sie selbst, als Privatpersonen. Vor allem in dem Gespräch nach der Vorführung können die Zuschauer viel über die Entstehung des Stückes und über die Schauspieler erfahren. In diesem Stück hat vor allem Beate Albrecht, die Texterin, viel aus ihrem eigenen Leben verarbeitet.

Das Publikum, bestehend aus Schülern der 10. Klasse aus der Kantschule und aus Schülern aus der 9. Klasse aus dem LMG, hat aufmerksam zugehört und sich auch interessiert an dem Gespräch nach der Vorführung beteiligt. Dies alles eine Ermunterung, solche Veranstaltungen weiterhin zu pflegen.

Dank an dieser Stelle den ASB Mitarbeitern in den beiden Schulen, die die Veranstaltung organisiert haben und an das Jugendamt, das sie finanziell ermöglicht hat.

E. Guist, 25.02.2010

Alkohol und Lena
Beate Albrecht als ältere Schwester, die glaubt, alles im Griff zu haben und Daniel Susewind als Bruder, der vermitteln will, aber dabei scheitert. (Fotos: E. Guist)