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Nadja Sangerhausen

Auf der Schulbank

Wenn ein unerfahrener, junger Knabe von einem Direktor oder von einem Lehrer an der Schule gezwungen würde im Unterricht mehr aufzupassen, mitzuarbeiten, mitzudenken sowie mitzuschreiben, nur um sich selbst die Gewissheit zu verschaffen, dass er in der Schule sein Wissen erweitern könne, um in seinem späteren Leben mit einem ansehnlichen Beruf dastehen zu können, und wenn dessen Eltern dann stolz auf den Direktor der Schule seien würden, weil sie meinen würden, er hätte die Hälfte der Arbeit getan; und wenn sich dann der Knabe bei diesem "Wettkampf" eingeengt und sich in seiner Persönlichkeit verletzt und gekränkt sowie von einer oder mehreren Personen unter Druck gesetzt fühlen würde und sich daher nicht trauen würde, seine Ängste und Fürchtungen vor anderen preiszugeben, nur weil er in der Schule zwangsweise zum Lernen und Besserwerden aufgefordert worden wäre, jedoch noch keiner etwas dagegen getan hätte, obwohl die Eltern spätestens zu diesem Zeitpunkt schon längst hätten einschreiten sollen, da sie die bedeutsamsten Menschen für ihre Kinder sein sollten, - vielleicht hätte man dann die Ungewissheit und Ängstlichkeit des Kindes gegenüber bestimmten Personen verhindern und das Lernen anders gestalten können, ohne Zwang und listige Hintergedanken.

Da es aber nicht so ist: da der Lehrer das lernwillige Kind sich selbst beweisen und entfalten lässt, als wäre es sein über alles geliebter Knabe, der die Hilfe anderer nicht benötigt, da der Lehrer sich intensiv mit dem Knaben beschäftigt, um seine Interessen und seine Stärken aufzudecken und um gleichzeitig sein Vertrauen zu gewinnen, und da auch die Eltern für Tat und Rat bereit stehen, ohne einen Nutzen daraus zu ziehen, wie sich der Knabe weiterentwickelt und auf eigenen Beinen steht, und da sie ihn daher nicht vor anderen bloßstellen oder gar demütigen, da sie einfach in dem Knaben seinen eigenen Verstand arbeiten lassen und ihm Vertrauen schenken, da sie an ihn glauben und zu aller Zeit für ihn da sind, sodass er sich dadurch sicher und beschützt fühlen kann, da sie ihn nicht zu etwas zwingen, was er von selbst nie getan hätte, sondern ihm nur helfen, wenn er es für nötig hält, - da das so ist, fühlt sich der Knabe verstanden, akzeptiert, respektiert und geliebt, und er lebt mit seinem selbst angeeigneten Wissen, welches er ohne Zwang erreichte, ein eigenes erfülltes Leben mit stolzen Eltern.