AMON – Mein Großvater hätte mich erschossen

Eine Lesung mit Jennifer Teege

Wer den Film „Schindlers Liste“ gesehen hat, dem ist mit Sicherheit der  KZ Kommandant Amon Göth  im Gedächtnis geblieben, der aus sadistische Freude  Häftlinge vom Balkon aus erschießt oder sie mit abgerichteten Hunden jagen lässt. Diese Person, bei der man eher geneigt ist anzunehmen, dass sie aus der Feder eines gewieften Hollywooddrehbuchschreibers stammt als aus der realen Welt, weil sie so unglaublich brutal ist, gab es wirklich. Steven Spielberg, der Regisseur des Filmes, hatte nicht nur zu Oskar Schindler sondern auch zu Amon Göth im Vorfeld der Filmarbeiten gut recherchiert.

Auch Jennifer Teege, die Autorin des Buches „Amon. Mein  Großvater hätte mich erschossen“, hat mit 38 Jahren zu diesem Mann recherchiert und dabei erstaunt feststellen müssen: dieser Mann war ihr eigener Großvater. Die junge Frau, Tochter eines Nigerianers und einer Deutschen, bei Pflegeeltern aufgewachsen, hatte immer schon geahnt, dass mit ihrer Familie etwas nicht in Ordnung ist. Diese Entdeckung übertraf allerdings alle ihre Befürchtungen.

Anstatt sich aber entmutigen zu lassen, nahm sie das neu entdeckte Familiengeheimnis zum Anlass für eine mehrjährige Entdeckungsreise in die Vergangenheit, in der schonungslos aufgearbeitet wurde, was es mit dem Großvater, der Großmutter und ihrer Mutter so auf sich hatte. Wer dieses spannende Abenteuer nachvollziehen will, muss Jennifer Teeges Buch lesen. Es ist sehr spannend und überzeugend geschrieben und es ist ein Musterbeispiel dafür, wie man dunkle Familiengeheimnisse ans Tageslicht befördert und dabei frei wird vom Gefühl von Ohnmacht und Schuld.

In der Lesung, die am 27.03. in der Aula der Kantschule stattfand,  vermochte Jennifer Teege dem Publikum anhand gut ausgewählter Beispiele aus dem Buch ein anschauliches Bild von der Problematik zu vermitteln, die im Buch behandelt wird. Im Gespräch nach der Lesung  zeigte sich die Autorin sehr  offen für die Fragen der Zuhörer. Man konnte erkennen, dass zwischen der Autorin und dem Publikum der Funke übergesprungen war. Das lag sicher an dem charismatischen Wesen der Frau Teege, aber vielleicht auch an dem Thema, das letztendlich nicht nur für sie, sondern für alle Deutsche ein immer wieder neu zu bewältigendes Thema geblieben ist.

Wir danken dem ASB und hier insbesondere Herrn Packhäuser und Frau Reckermann für die Organisation dieser gelungenen Veranstaltung.

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