Kant-Newsletter Nr. 09/2003: Lehrerbrief
Falkensee, am 25.03.2003
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler,
im Folgenden übermittele ich Ihnen den Brief, den Herr Guist im Auftrag des Lehrerkollegiums der Kantschule geschrieben hat.
mfg hr
--schnipp
Gesamtschule "Immanuel Kant" mit GOST
Lehrerkollegium
Kantstraße 17
14612 Falkensee
An das Staatliche Schulamt
Brandenburg an der Havel
(Herr Dr. Rericha und Herr Silber)
Kirchhofstraße 1-2
14776 Brandenburg an der Havel
Falkensee, den 25.05.2003
Festeinstellung von bisher befristet eingestellten Lehrern
Sehr geehrte Herren,
seit nunmehr vier Jahren, seit unsere Schule mit der Angliederung der gymnasialen Oberstufe und der Erweiterung der Sekundarstufe einen höheren Bedarf an Lehrkräften hat, gibt es massive Probleme mit der Besetzung dieser notwendigen Stellen. Wir, die Lehrerschaft, vor allem jener Stamm, der sich aufgrund der vertraglichen Bedingungen dauerhaft in der Schule einbringen darf, erleben regelmäßig, insbesondere zu Schuljahresbeginn, wie verheerend sich der andauernde Lehrermangel auswirkt: Stunden fallen aus, die vorhandenen Lehrkräfte werden über Gebühr über längere Zeiträume durch Vertretungen und/oder fachfremden Unterricht belastet, der Unmut bei den Eltern über die Schulsituation wächst, die Lernmoral der Schüler sinkt bei einer nicht konsequent gehaltenen Stundentafel und den vielen Vertretungsstunden... Man könnte die Liste der negativen Folgen noch lange fortsetzten, aber diese sind ja dem Schulamt und auch dem Ministerium hinreichend bekannt, denn vor allem Schüler und Eltern haben in regelmäßigen Abständen oft öffentlich durch Aktionen und Appelle auf diese Missstände aufmerksam gemacht.
Dass wir, die Lehrerschaft, uns nun zu Wort melden, hat den Grund darin, dass wir nach dieser langen Zeit des geduldigen Abwartens auf Besserung der Lage nicht mehr die Kraft und den Willen haben, diese Situation länger zu ertragen. Nicht nur, dass keine Verbesserung in Sicht ist bei den schon bestehenden Problemen, wir sehen auch mit großer Sorge, wie sich kommendes Schuljahr die Probleme potenzieren, wenn - wie von Seite des Schulamts angekündigt - ein Großteil unseres Kollegiums (es sind dies 16 Kolleginnen und Kollegen von 51!!!) nächstes Schuljahr nicht mehr an unserer Schule beschäftig sein wird.
Wir finden es - bei allem Respekt für die Sachzwänge personal- und tagespolitischer Entscheidungen - nicht verantwortbar, so viele Kolleginnen und Kollegen, die in den schweren Zeiten unserer Schule und unter schlechten vertraglichen Bedingungen hervorragende und aufopferungsvolle Arbeit geleistet haben, nun einfach zu verabschieden, oder mit Verträgen abzuspeisen, die für sie nicht akzeptabel sind, und die letztendlich dazu führen, dass sie "freiwillig" die Schule verlassen.
Wir finden dies unverantwortbar, nicht nur weil nicht gewährleistet ist, dass für sie im nächsten Schuljahr Ersatz gefunden wird (hier reicht als Argument ein Blick in die Vergangenheit), nicht nur, weil es unfair ist eben diesen Kollegen gegenüber, die sich doch erhofft haben, dauerhaft hier bleiben zu können, und die ihr Engagement entsprechend ungeteilt und unbefristet eingebracht haben, sondern vor allem darum, weil unsere Schule - und dies sind Schüler, Lehrer und der Standort Falkensee gleichermaßen - durch diese Kolleginnen und Kollegen einen Großteil ihrer Kraft, ihrer Motivation und ihrer Identität erhielt bzw. erhält.
Die Kantschule hat lange Zeit gebraucht, um sich im Prozess der steten Erweiterung und Veränderung zu sammeln und bilden. Erst in jüngster Vergangenheit hat sich so etwas wie ein Teamgeist im Kollegium gebildet, der die Zusammenarbeit zwischen den Kollegen wesentlich verbessert hat. Der Ausschluss der besagten Kolleginnen und Kollegen würde eine nicht zu schließende Lücke hinterlassen im Kollegium und die Arbeit der letzten Jahre hinfällig machen. Ein noch größerer Rückschlag ist bei den Schülern zu erwarten. Diese haben sich in den letzten Jahren oft auf neue Lehrer einstellen müssen. Umso wichtiger ist für sie auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen die Kontinuität in der Bindung an die gegenwärtigen Lehrer, denn sinnvolle pädagogische Arbeit ist nur über Bindungen möglich. Bindungen, die ihrerseits der Dauer bedürfen. Und nicht zuletzt ist darauf hinzuweisen, dass diese Kolleginnen und Kollegen mit viel Einsatz, mit viel Engagement, Fleiß und Kreativität gearbeitet haben und noch arbeiten, jede/r auf seine eigene, unverwechselbare Art, sehr oft über das geforderte Maß hinaus.
Abschließend lässt sich sagen: Die Arbeit dieser Kolleginnen und Kollegen ist - und hier sehen wir Kollegen uns mit den Schülern und Eltern einig - nicht und durch nichts zu ersetzten. Wir appellieren deswegen an die Schulbehörde: Überdenken Sie Ihre Entscheidungen bezüglich der Arbeitsverträge unserer Kolleginnen und Kollegen nochmals und versuchen Sie eine Lösung zu finden für ihren dauerhaften Verbleib an der Schule. Dies allein kann eine der Vernunft und der Sache dienende Entscheidung sein. Wir sind der festen Überzeugung, dass sich hier Lösungen finden lassen, wenn man sich auf die Grundwerte und Grundsätze unserer pädagogischen und bildungspolischen Arbeit besinnt und wenn man sich vor Augen hält, welche verheerenden Konsequenzen für unsere Schule eine Entscheidung dagegen haben würde.
Mit freundlichen Grüßen
E. Guist
(im Auftrag des Lehrerkollegiums der Gesamtschule Immanuel Kant)
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