Rabac - ein Ort der Ruhe?

„Och Klaus, was ist das schön hier! Schau mal, unser Zimmer hat sogar einen Balkon mit Meeresblick. Hörst du die Möwen und die seichte Brandung? So idyllisch hätte ich mir das niemals vorstellen können. Mensch Klaus, hätte ich dich hier vor 50Jahren getroffen, ich hät mich sofort in dich verliebt ... Ach, was rede ich, das hab ich ja sowieso, Schatzi!“

„Ah Gertraude, du weißt ja gar nicht, wie glücklich ich bin. Ich kann mit dir diese schöne Landschaft genießen und die Ruhe quasi spüren. Also Gertraude, ich fühl mich wie im Paradies! Nur nette und freundliche Leute um uns herum. Und das schönste daran ist ja, dass in diesem Kurort noch viele andere ältere Ehepaare sind. Da können wir bestimmt ganz leicht noch ein paar Bekanntschaften machen.“

„Ich bin ja so schon froh mit dir hier sein zu können ... aber jetzt lass uns erst einmal das Meer und die Standpromenade unter die Fittiche nehmen.“

Und ich muss sagen, es ist wirklich noch schöner als im Katalog beschrieben. Alles ist sauber, es ist warm und vorallem ist es hier so schön ruhig und romantisch. Das war schließlich für Klaus und mich das Wichtigste. Die wilden Jahre sind nun wirklich langsam vorbei. Wir können ja nicht mehr die Sterne mit Sektkorken abschießen. Auch wenn man sich das natürlich manchmal noch wünscht. Aber die ruhigen Zeiten stehen vor der Tür. Und dafür ist Rabac doch wohl der schönste Start. So, jetzt aber ab ins Hotel, das Essen wartet schon.

„Klaus, schau einmal, ein neuer Reisebus! Ob da wohl ein paar Senioren aus unserer Region drin sitzen?“ Mein Mann und ich schauen, neugierig wie wir sind, auf den Bus. Die erste Enttäuschung haben wir am Nummernschild entdeckt...BERLIN! 650Km Entfernung, naja.

Doch die zweite Überraschung war fast schon zu viel für Klaus und seinen Herzschrittmacher. Erst kam ein 18jähriges Mädchen aus dem Bus ... Es war ein schier unästhetischer Anblick. Riesige Speckrollen quollen zwischen weißer Jeans und rosa Oberteil heraus. Die Schuhe hatten einen größeren Absatz als der kleine Freund meines Mannes. Ihr Gesicht war voller Make-Up und ein Kaugummi schaffte beinahe den Weg aus ihrem Mund. Ähnliche Gestalten folgten ihr aus dem Bus. Bestimmt 50 junge, jetzt schon viel zu laute, Menschen. Manche sahen nett aus, manche weniger. Gott hat wirklich einen harten rechten Haken ... ohne jetzt auch noch Gotteslästerung betreiben zu wollen.

Aber so etwas kann er uns doch nicht antun!

Alles was wir wollten, war Entspannung, Ruhe und Frieden. Und jetzt?!?! Jetzt stehen wir vor einem riesigen Reisebus, vollbepackt mit lautstarken Jugendlichen, die nichts anderes als Alkohol, laute Musik und Sex im Sinn haben.

Oh mein Gott!!! das erste was ich hier sah , als ich nach endlos langen 21Stunden aus dem Reisebus kroch, war ein entsetztes altes Ehepaar, was uns anstarrte. Die Totenstarre wartet bei euch zwei Hübschen eh nicht mehr lange, also genießt eure verbleibende Zeit. Nun ja, wir waren alle gespannt auf die Partymöglichkeiten hier in Rabac und wollten uns überraschen lassen. Also schnell die Zimmer inspiziert..alles bestens, auf die Betten passen sogar noch ohne Mühe kroatische Bekanntschaften.

Und ab auf die Piste. Piste, das war, wie wir enttäuscht feststellten nicht mehr als eine Standpromenade ohne jegliche Kneipen, geschweige denn Discos. Links ein Strandcafé, natürlich randvoll mit Senioren, und rechts das Meer. Spätestens jetzt wünschte ich, es gäbe Meerjungfrauen, die auf den Felsen auf uns warteten. Mit einer von ihnen hätte ich die Sterne mit Sektkorken abgeschossen.

Doch genug geträumt. Rabac ist kein Ort der Festlichkeiten. Vielleicht für Menschen, die auf sehr, sehr alte Menschen stehen. Man könnte hier wohl problemlos ein Harem voll Senioren erichten.

Genug der bösen Worte, wo eine Horde junger Randberliner ist, ist auch Party. Das ist erwiesene Logik. So wurde die Party einfach aufs Zimmer verschoben. Mit ausgeräumter Minibar, lauter Musik und reichlich guter Laune. Ab und an hörte man etwas von unten gegen den Boden stampfen, was uns allerdings nur dazu anstiftete lauter zu sein.

Die verhasste Jugend eben. Man muss seinem Ruf schließlich gerecht werden. Sonst verliert man seinen Stil, wie alkoholfreies Bier. Als die Sonne sich dann schon am Horizont blicken ließ, wurde es allmählich ruhiger in Zimmer 306.

Am nächsten Morgen wurden im Essenssaal 50 Jugendliche von mindestens 200 alten Augenpaaren angeschaut. Es wurde getuschelt, ja sogar mit dem nackten Finger wurde auf uns gezeigt. Hat man denen denn gar keine Manieren beigebracht?

Rabac-ein Ort der Ruhe...wenn nicht gerade irgendwelche Jugendreisegruppen in der Nähe sind. Das alte Ehepaar, was uns böse und entsetzt angeschaut hat, war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

Louis Kemmerling, 13

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