Kritische Annäherung an einen Altbekannten

Auftakt der Kant-Aktions-Abende an der Kantschule

In einer ruhigen, besinnlichen Atmosphäre lauschten zahlreiche Besucher den Worten von Herrn Kohnen, der sich kritisch mit Kants Antwort auf die Frage "Was ist Aufklärung? auseinandersetzte.

An der Kantschule ist Immanuel Kant ein Altbekannter. Er grüßt von dem Namensschild, vom Schullogo oder als Portrait im Schulfoyer. Und nun, im 20. Jubiläumsjahr der Namensgebung, rückt er erstrecht in den Mittelpunkt, vor allem mit den Kant-Aktions-Abenden. Mit diesen Veranstaltungen lädt die Kantschule der interessierten Öffentlichkeit dazu ein, sich mit Kant, aber auch mit philosophischen und gesellschaftlichen Fragestellungen im Geiste Kants auseinanderzusetzten.

Wen wundert's da, dass die erste Veranstaltung en Titel trägt: "Über die Beantwortung der Frage:"Was ist Aufklärung?" Und wen wundert´s weiter, dass der erste Vortragende Herr Kohnen ist, der Philosophielehrer der Kantschule und der Initiator und Organisator der Veranstaltungsreihe der Kant-Aktions-Abende? Wer nun aber meint, dass die Beantwortung der allbekannten Frage, was den Aufklärung ist, schon kalter Kaffee sei, weil sie in jedem Schulbuch steht, der sah sich an diesem ersten Kantabend enttäuscht.

Herr Kohnen gelang es in seinem Vortrag, ein lebendiges und plastisches Bild des Philosophen und seiner Gedankenwelt zu zeichnen, indem er diese(n) in den Kontext seiner Zeit setzte und auch mit den kritischen Anmerkungen seines Zeitgenossen Johann Georg Hamann konfrontierte. Kant, der in seiner Aufklärungsschrift lautstark seine Zeitgenossen dazu aufrief, sich "mündig" zu verhalten, indem sie sich ihres "eigenen Verstandes" anstatt der "Vormünder" bedienen, war auch gleichzeitig jemand, der dem König und der Obrigkeit gegenüber recht demütig, ja unterwürfig sein konnte.

Vor allem in der sich anschließenden Diskussion ging es um die Frage, inwiefern Kant nun seinen eigenen Anspruch selbst in seinem Leben eingelöst hat. Auch wenn das Eine oder Andere an Kritik dargebracht wurde, so hat dies doch insgesamt dem Philosophen nicht geschadet. Es hat ihn nur menschlicher, fassbarer gemacht und uns Nachgeborenen gezeigt, dass selbst die Großen im Kleinen so waren wie wir. Ihre Größe besteht eben nicht darin, über den Dingen zu schweben, sondern aus dem Leben heraus etwas zu gestalten, das Größe hat. Eine solche Größe hat sicherlich ein Mensch, der sich in seinem Denken und Handeln auf seine eigene Urteilskraft und Auffassungsgabe beruft und somit selbstbewusst sein Leben in die eigenen Hände nimmt. Für diese Erkenntnis können wir ihm heute noch dankbar sein.

Dankbar sind wir auch Herrn Kohnen, der uns mit viel Sachverstand die komplexen philosophischen Zusammenhänge erklärt hat. Seine Begeisterung hat Funken geschlagen und diese haben gezündet.

Nun beliebt zu hoffen, dass auch die weiteren Veranstaltungen so gut ankommen und zünden.
Am Dienstag folgt ein Lyrik-Abend mit Tobias Beyer (23) und Ralf Drechsler (24). Die beiden Studenten aus Potsdam schreiben schon seit Jahren Gedichte mit allen möglichen Inhalten und Formen von lyrischer Prosa bis zum Sonett. Ralf Drechsler ist ehemaliger Schüler unserer Schule.

Wir hoffen auf zahlreiche Gäste am Dienstag, dem 6. Dez. 2011, um 19.00 Uhr in Raum C 1.9. der Kantschule

Herr Kohnen in einer typischen Haltung. Die orange Lampe steht für das Licht der Aufklärung. Die orange Farbe wiederum verweist auf unsere Schule, die (manchmal) vom Licht der Aufklärung erleuchtet wird.

Und hier gibt's das Skript des Vortrags von Herrn Kohnen

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Erich Guist