{"id":36840,"date":"2025-03-18T08:55:22","date_gmt":"2025-03-18T07:55:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kantschule-falkensee.de\/kant2013\/?p=36840"},"modified":"2025-04-13T09:59:53","modified_gmt":"2025-04-13T07:59:53","slug":"2-minuten-in-der-zelle-seminarkurs-konfliktmediation-in-der-polizeiwache-falkensee-finkenkrug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kantschule-falkensee.de\/kant2013\/2-minuten-in-der-zelle-seminarkurs-konfliktmediation-in-der-polizeiwache-falkensee-finkenkrug\/","title":{"rendered":"2 Minuten in der Zelle \u2013 Seminarkurs Konfliktmediation in der Polizeiinspektion Havelland in Falkensee"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Polizeiinspektion ist f\u00fcr das gesamte Havelland zust\u00e4ndig, ein Gebiet mit etwa 173.000 Einwohnern. Besonders interessant war f\u00fcr uns die Ausstattung der Wache. Es gibt dort eine extra Waffenkammer, in der dienstliche Waffen sicher eingeschlossen werden, sodass diese nicht mit nach Hause genommen werden. Zudem existiert eine Ausn\u00fcchterungszelle mit einer Toilette f\u00fcr Personen, die beispielsweise unter Drogeneinfluss stehen. Auch die Organisation der Gef\u00e4ngniszellen wurde uns erkl\u00e4rt. Eine Gruppenhaftzelle steht nur Personen zur Verf\u00fcgung, die miteinander auskommen, um Konflikte zu vermeiden. Generell d\u00fcrfen Personen maximal 48 Stunden in den Zellen verbringen. Ein wichtiger Punkt war, dass es keine Kameras in den Zellen gibt, um die Privatsph\u00e4re der Insassen zu wahren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Arbeit vor Ort<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wachdienst wird von verschiedenen Mitarbeitergruppen betreut, die jeweils spezifische Aufgaben \u00fcbernehmen. Direkt am Eingang befindet sich der Einsatzbearbeiter, der f\u00fcr die Koordination aller Vorg\u00e4nge zust\u00e4ndig ist und die Funkwagen koordiniert. Der Dienstgruppenleiter \u00fcberwacht die Polizisten im Au\u00dfendienst und leitet sie bei wichtigen und schwierigen Eins\u00e4tzen vor Ort an. Der Wachdienstf\u00fchrer ist f\u00fcr die \u00dcberwachung der Zellen verantwortlich. Besonders bei alkoholisierten Personen gilt die Regel, dass sie alle 15 Minuten kontrolliert werden m\u00fcssen. Au\u00dferdem nimmt er Anliegen von B\u00fcrgern entgegen und Anzeigen auf. Rund um die Uhr sind Mitarbeiter vor Ort oder im Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konfliktl\u00f6sung im Polizeieinsatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend unseres Besuchs wurde uns erl\u00e4utert, wie Polizisten in Konfliktsituationen agieren. Es gibt f\u00fcnf m\u00f6gliche Strategien zur Konfliktl\u00f6sung:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Flucht: Die Polizei versucht, Konflikte durch Kommunikation zu deeskalieren. Ein R\u00fcckzug kann auch dazu dienen, die Macht des Gegen\u00fcbers nicht zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Verteidigung: Die Polizisten m\u00fcssen sich selbst behaupten, um Respekt zu generieren. Dazu geh\u00f6rt, laut zu sein und klare Anweisungen zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Vernichtung: In Extremf\u00e4llen, wenn Polizisten selbst in Gefahr sind, d\u00fcrfen sie ihre Schusswaffe zur Selbstverteidigung einsetzen. Dies geschieht jedoch nur als absolute Notwehr.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Kompromiss: Eine L\u00f6sung wird gesucht, bei der beide Seiten Zugest\u00e4ndnisse machen.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Konsens: Die beste, aber schwierigste L\u00f6sung \u2013 eine Einigung, mit der alle zufrieden sind. Ein h\u00e4ufiger Konflikt, den die Polizei im Havelland erlebt, ist der Umgang mit Sch\u00fclern, die oft unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen. Auch F\u00fchrerscheinkontrollen sind eine regelm\u00e4\u00dfige Ma\u00dfnahme.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Psychische Belastungen und Konflikte unter Kollegen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger Aspekt der Polizeiarbeit sind die psychischen Belastungen. Polizisten sind h\u00e4ufig mit traumatischen Ereignissen konfrontiert, weshalb sowohl externe als auch interne psychologische Hilfe angeboten wird. Es gibt Nachsorgetermine, bei denen besprochen wird, wie belastende Erlebnisse verarbeitet wurden. Damit Polizisten langfristig gesund bleiben, sind bestimmte Ma\u00dfnahmen notwendig, da sonst posttraumatische Symptome auftreten k\u00f6nnen. Ein gutes Arbeitsklima wird durch Teamf\u00e4higkeit, Kommunikation und Bereitschaft zur Zusammenarbeit gef\u00f6rdert. Freude und Gemeinschaft spielen ebenfalls eine gro\u00dfe Rolle. Besonders interessant war f\u00fcr uns, dass bereits in der Ausbildung gro\u00dfer Wert auf soziale Kompetenzen gelegt wird. Durch Rollenspiele lernen die Auszubildenden, mit Konflikten umzugehen. Zudem werden sie darauf vorbereitet, mit suizidgef\u00e4hrdeten Personen umzugehen und entsprechende Ma\u00dfnahmen zu ergreifen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schutz und Teamarbeit statt Angst<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Polizeiberuf wird mit Respekt angetreten, nicht mit Angst oder Furcht. Ihr Beruf ist unvorhersehbar, denn sie wissen nie, welchen Konflikten sie sich stellen m\u00fcssen. Doch daf\u00fcr sind sie ausgebildet: Mit bestimmten Taktiken sch\u00fctzen sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Ein entscheidender Faktor ist dabei die Teamf\u00e4higkeit \u2013 sie sind nie allein im Einsatz, sondern agieren stets mindestens zu zweit, um sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Notruf in der Nacht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei unserem Besuch haben wir einen Polizeieinsatz simuliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Isabella ist Opfer von Gewalt vor einer Diskothek geworden. In ihrer Not ruft sie die 110 an. Die Notrufzentrale in Potsdam nimmt den Anruf entgegen und fragt sofort nach dem Notfall. Isabella schildert die Situation, woraufhin die Zentrale den Sachverhalt protokolliert. Um den T\u00e4ter m\u00f6glichst schnell ausfindig zu machen, fragt die Notrufzentrale gezielt nach dessen Beschreibung: Gr\u00f6\u00dfe, Nationalit\u00e4t, Kleidung und ob er alkoholisiert war. Auch der genaue Standort von Isabella wird erfasst. Die Notrufzentrale \u00fcberpr\u00fcft im System, wo sich der n\u00e4chste verf\u00fcgbare Streifendienst befindet, und schickt diesen zum Einsatzort. Gleichzeitig wird der Streifendienst \u00fcber alle relevanten W Fragen (Wer, wo, was, wie) informiert, damit er optimal vorbereitet ist. Da Isabella verletzt ist, alarmiert die Zentrale zus\u00e4tzlich einen Notarzt. Sie versichert Isabella, dass Hilfe unterwegs ist, und beendet dann das Gespr\u00e4ch. Dieser Vorfall zeigt, wie wichtig eine gut koordinierte Notrufzentrale und ein eingespieltes Polizeiteam sind. Die Polizei handelt schnell, strukturiert und mit klaren Abl\u00e4ufen, um in Notlagen gezielt Hilfe zu leisten. B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger k\u00f6nnen sich darauf verlassen, dass sie in schwierigen Momenten nicht allein gelassen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant war auch die Information, dass Notrufmissbrauch ernsthaft verfolgt wird. Wenn jemand absichtlich einen falschen Notruf absetzt, wird ermittelt, und der Fall kann an die Staatsanwaltschaft \u00fcbergeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufschlussreiche Erfahrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Exkursion zur Polizeiinspektion Havelland in Falkensee war sehr aufschlussreich. Wir haben nicht nur viel \u00fcber den organisatorischen Aufbau gelernt, sondern auch \u00fcber die Herausforderungen, mit denen Polizisten t\u00e4glich konfrontiert sind. Besonders die psychische Belastung und die Notwendigkeit einer guten Teamarbeit waren f\u00fcr uns eindrucksvolle Erkenntnisse. Die Arbeit der Polizei ist vielseitig, anspruchsvoll und erfordert sowohl physische als auch psychische Belastbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Pia Rost und Satya Kraehahn&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Lehrkraft: Frau Dr. Jenderek&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Polizeiinspektion ist f\u00fcr das gesamte Havelland zust\u00e4ndig, ein Gebiet mit etwa 173.000 Einwohnern. 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