{"id":37778,"date":"2025-07-25T07:57:03","date_gmt":"2025-07-25T05:57:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kantschule-falkensee.de\/kant2013\/?p=37778"},"modified":"2025-07-25T07:57:03","modified_gmt":"2025-07-25T05:57:03","slug":"einblick-in-die-justiz-besuch-beim-amtsgericht-tiergarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kantschule-falkensee.de\/kant2013\/einblick-in-die-justiz-besuch-beim-amtsgericht-tiergarten\/","title":{"rendered":"Einblick in die Justiz \u2013 Besuch beim Amtsgericht Tiergarten"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Rahmen unseres Seminarkurses Konfliktmediation besuchten wir das<br>Amtsgericht Tiergarten in Berlin. Ziel der Exkursion war es, einen Einblick in die praktische<br>Arbeit der Justiz zu gewinnen, insbesondere in die Abl\u00e4ufe von Strafprozessen. W\u00e4hrend<br>unseres Besuchs durften wir an drei \u00f6ffentlichen Gerichtsverhandlungen teilnehmen. Diese<br>Sitzungen erm\u00f6glichten uns einen realit\u00e4tsnahen Eindruck davon, wie Recht gesprochen<br>wird und welche Rolle Richter, Staatsanw\u00e4lte, Verteidiger und Angeklagte in einem<br>Strafverfahren einnehmen.<br><strong>Erster Fall: Betrug in H\u00f6he von 8.000 Euro<\/strong><br>Die erste Verhandlung besch\u00e4ftigte sich mit einem besonders komplexen Fall von Betrug.<br>Der Angeklagte hatte im Rahmen eines beruflichen Auftrags jemanden dazu gebracht, eine<br>Bauleistung zu erbringen \u2013 ohne diese jedoch zu bezahlen. Der entstandene Schaden betrug<br>rund 8.000 Euro.<br>Besonders brisant: Der Beschuldigte hatte im Vorfeld von dem Auftraggeber einen Betrag<br>von ca. 4.000 Euro im Voraus verlangt, um angeblich Material zu besorgen. Sp\u00e4ter stellte<br>sich jedoch heraus, dass ein Partner des Angeklagten eigentlich f\u00fcr die Materialbeschaffung<br>zust\u00e4ndig war. Obwohl der Angeklagte nach einiger Zeit bemerkte, dass die Materialien gar<br>nicht besorgt wurden, verteidigte er seinen Kollegen weiterhin vor Gericht.<br>Ein Zeuge der gesch\u00e4digten Firma legte E-Mails vor, in denen der Angeklagte mitgeteilt<br>hatte, dass das Material bereits beschafft worden sei \u2013 was nicht der Wahrheit entsprach. F\u00fcr<br>die Richterin war dies ein \u00fcberraschender Aspekt, denn bis zu diesem Zeitpunkt war nicht<br>bekannt gewesen, dass der Angeklagte einen Partner in die Angelegenheit involviert hatte.<br>Die Verhandlung dauerte etwa zwei Stunden und machte deutlich, wie umfangreich und<br>detailreich solche Verfahren sein k\u00f6nnen. Der Prozess wurde auf den 04.07. vertagt, um<br>weitere Aussagen zu erm\u00f6glichen \u2013 insbesondere soll der neu identifizierte Tatbeteiligte nun<br>als Zeuge geladen werden.<br>W\u00e4hrend der Verhandlung waren mehrere Personen beteiligt: eine Richterin, eine<br>Protokollf\u00fchrerin (Schreiberin), der Angeklagte und sein Anwalt, der Anwalt der Gegenpartei<br>sowie \u2013 je nach Sachlage \u2013 weitere Zeugen.<br><strong>Zweiter Fall: Nicht bezahlter Betrag von 23 Euro<\/strong><br>Im zweiten Verfahren ging es um eine eher allt\u00e4gliche, aber dennoch strafrechtlich<br>relevante Angelegenheit. Der Angeklagte hatte eine Zahlung im Wert von 23 Euro<br>nicht geleistet. Obwohl der Schaden vergleichsweise gering war, musste sich die<br>Person vor Gericht verantworten. Das Gericht entschied, dass der Angeklagte 300<br>Euro an eine Stiftung zur Unterst\u00fctzung humanit\u00e4rer Hilfsprojekte zahlen muss. Im<br>Gegenzug wurde darauf verzichtet, den Vorfall im Bundeszentralregister zu<br>vermerken \u2013 es gab also keinen Eintrag ins F\u00fchrungszeugnis. Dieser Fall zeigte<br>eindr\u00fccklich, wie das Gericht zwischen Strafe und sozialer Wiedergutmachung<br>abw\u00e4gt.<br><strong>Gericht in Aktion: Recht transparent vermittelt<\/strong><br>Die \u00f6ffentliche Natur der Verhandlungen erm\u00f6glichte uns einen direkten Einblick in<br>die juristische Arbeit. Wir konnten beobachten, wie akribisch Beweise gepr\u00fcft und<br>Aussagen hinterfragt werden. Dabei wurde deutlich, dass Urteile nicht leichtfertig<br>gef\u00e4llt werden, sondern auf gr\u00fcndlicher Pr\u00fcfung und rechtlicher Bewertung<br>basieren. Besonders auff\u00e4llig war die ruhige, sachliche Atmosph\u00e4re im<br>Gerichtssaal \u2013 trotz der Ernsthaftigkeit der Vorw\u00fcrfe wurden alle Beteiligten mit<br>Respekt behandelt.<br><strong>Reflexion: Theorie trifft auf Realit\u00e4t<\/strong><br>Die Exkursion zum Amtsgericht Tiergarten war f\u00fcr uns eine aufschlussreiche<br>Erfahrung. Wir konnten nicht nur juristische Theorie mit realen Abl\u00e4ufen<br>verkn\u00fcpfen, sondern auch einen Eindruck davon gewinnen, wie vielf\u00e4ltig die F\u00e4lle<br>sein k\u00f6nnen, mit denen sich Gerichte tagt\u00e4glich befassen. Der Besuch hat uns<br>gezeigt, wie wichtig sorgf\u00e4ltige Ermittlungen, rechtliches Wissen und eine faire<br>Verhandlungsf\u00fchrung f\u00fcr die Wahrung des Rechtsstaates sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Jessika Liborius &amp; Eirini Apokotou<br>Lehrkraft: Frau Dr. Jenderek<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen unseres Seminarkurses Konfliktmediation besuchten wir dasAmtsgericht Tiergarten in Berlin. 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