Geschichte der Kantschule

27 Jahre Schule in einem Haus – ein geschichtlicher Abriss

Im September 2008 steht die Kantschule am Beginn eines neuen Abschnitts ihrer Geschichte: Neue Schulleitung, neues Schulprogramm, Beginn des Ganztagsbetriebs, neue Rahmenlehrpläne von Astronomie bis Zoologie … es wird spannend. Doch gehen wir der Reihe nach durch die vier Lebensphasen der Kantschule, deren durchgängiges Motto lauten könnte: Nichts ist dauerhafter als der Wandel.

1985/1986Bau der Schule
1986Statt des geplanten Namens "Maxim Gorki" wird aus Potsdam der Name "Alexander Zawadzki" aufoktroyiert
1986-1991Schulbetrieb als POS von 1-10, zweizügig
1991Umwandlung in eine Gesamtschule
Frau Eckardt wird Schulleiterin
1991Umbenennung zur "Gesamtschule Immanuel Kant"
Grundschule vorerst noch im Gebäude
1998Auszug der Grundschule, die in der Hamburger Straße als "Geschwister-Scholl-Grundschule" neu beginnt
Entscheidung, die Kantschule zum Standort einer zweiten GOST in Falkensee zu machen
zu der Zeit: 2 Züge, 200 Schüler, 17 Lehrkräfte
1999Eröffnung der ersten 11. Klasse
2000Erweiterte Schulleitung gewählt
2002Juni: der erste Abiturjahrgang verlässt die Schule
Herbst: sieben Kollegen auf einmal verlassen die Schule in Richtung Berlin
2003Mai: Aktionswoche von Eltern und Schülern
Mai: Die ersten zentralen Prüfungen nach der Jahrgangsstufe 10 (= P10)
August: legendäre Vorbereitungswoche des Kollegiums in Bantikow
September: Beginn mit vollständiger Besetzung
2003-2007Vier Anträge (jeweils im Dezember) auf Genehmigung eines Ganztagsangebots (außer im Dezember 2005)
2005Mai: Das erste Zentralabitur
August: Sportbetonung (vor allem neu: WP I Sport)
2006März: Schulvisitation
2005Juli: Frau Eckardt geht in den Ruhestand; kommissarische Nachfolgerin: Frau Müller
August: Erziehungswissenschaft in 11, Russisch als neu beginnende Fremdsprache in 11
November: Leitbild als erster Baustein für das Schulprogramm
2008März: Ganztagsantrag vom Dezember 2007 wird positiv beschieden
Juni: Schulprogramm
derzeit: 4-6 Züge in Sek I, 2-3 Züge in Sek II,ca. 800 Schüler, 65 Lehrkräfte
September: Leistungskurs Kunst

1986-1991: Schwieriger Start in turbulenten Zeiten und plötzlich heißt es: Alles auf Anfang

Nur drei Jahre vor der Wende, im Jahre 1986, als Polytechnische Oberschule „Alexander Sawatzki“ gegründet, hatten Schulleitung und Kollegium kaum das Laufen gelernt, als schon wieder Schluss war: Im Rahmen der umfassenden Neugestaltung der Schullandschaft in Brandenburg wurde die Schule zu einer Gesamtschule gemacht, zunächst zweizügig von sieben bis zehn. Zu dieser Zeit befand sich auch die Grundschule noch mit im Gebäude. Im Dezember 1990 wählte die Schulkonferenz nach einer breiten Meinungsumfrage unter Schülern, Eltern und Lehrern den Namen „Immanuel-Kant-Schule“. Und im Frühsommer 1991 wurde dann die Umbenennung feierlich begangen. In alten Schränken fanden sich die aus heutiger Sicht rührend altertümlich gestaltete  Festschrift und der Flyer zum Festprogramm: Kinder, wie die Zeit vegeht! Heute würde so etwas ganz anders aussehen.
Festschrift 1991

1991-1998: Aufbaujahre, die ersten: Gesamtschule in Brandenburg

Die folgenden Jahre waren von der Koexistenz der Grundschule mit stark frequentiertem Hort (im heutigen A-Gebäude) und der Gesamtschule (im heutige B-Gebäude) geprägt. Diese Zeit brachte einerseits  eine Unzahl von Neuerungen, die über Schulleitung und Kollegium hereinbrachen; fast alles musste neu erfunden werden; Eltern, Kinder und Lehrer waren verunsichert aufgrund der nach der Wende völlig veränderten Anforderungen: Die Bedingungen waren schwierig.

Andererseits war die Arbeitsatmosphäre offenbar noch sehr familiär; nur siebzehn Kollegen saßen im Lehrerzimmer (heute der Raum B 4.1); der kommunikative Führungsstil der Schulleiterin konnte alle möglichen Probleme im informellen Gespräch klären. Vieles, was heute auf langen Konferenzen zwischen Dutzenden von Kollegen ausdiskutiert werden muss, erledigte die Lehrer damals auf dem kurzen Dienstweg in der kleinen Pause.

Gegen Ende der 90er-Jahre hatte die Schule sich stabilisiert und einen soliden Alltag organisiert – man muss die Arbeit dieser Jahre bewundern.

Aber das attraktive Falkensee erwies sich als Zuzugsgebiet ohnegleichen und man musste vonseiten des Schulträgers auf die wachsende Nachfrage nach dem Abitur reagieren. Unsere Schule erhielt den Zuschlag, weil sie das größte Entwicklungspotenzial (Gebäude, Gelände) aufzuweisen hatte.

Und schon wieder ging alles von vorne los.

1998-2003: Aufbaujahre, die zweiten: Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in einer Wachstumsregion

Ab dem Schuljahr 1998, als vier siebente Klassen ihren Unterricht begannen, wuchs die Kantschule wie keine andere Gesamtschule in Falkensee. Ab 1999 kam die Oberstufe hinzu. Innerhalb weniger Jahre wurden aus 200 Schülern über 700, und das Kollegium wuchs bis auf 65 Lehrkräfte (Stand April 2008), die sich auf zwei große Lehrerzimmer in drei Häusern verteilen. Denn 2002/2003 wurde das orangefarbene C-Gebäude errichtet, alle wunderten sich über die Farbe, und heute ist sie unser Markenzeichen.
Schulfest 2003

Ein wesentlicher Fortschritt dieser Jahre war die Wahl einer Erweiterten Schulleitung durch die Konferenz der Lehrkräfte im Jahre 2000; die enorm gewachsene Arbeitsbelastung wurde auf mehr Schultern verteilt, zahlreiche Abläufe  konnten professionalisiert werden.

Der erste Abiturjahrgang verließ die Schule im Sommer 2002, und wieder war eine Etappe bewältigt worden.

Im Herbst 2002 aber stand unsere Schule vor einer besonders schwierigen Herausforderung. Berlin stellte auf einen Schlag sieben unserer frisch eingestellten Kollegen ein, die noch befristete Arbeitsverträge hatten. Gegen die unbefristeten, die Berlin anbot, konnte das Land Brandenburg nicht ankommen; was allerdings den Schülern der 13. Jahrgangsstufe nichts half, denen das Abitur davonzuschwimmen drohte. So nahmen sie das Heft selbst in die Hand und besetzten im Frühjahr 2003 mit Unterstützung der Eltern das Schulgebäude, um nachsts Unterricht nachzuholen und tagsüber lautstark zu protestieren. Nicht ohne Erfolg. Der damalige Minister Reiche erschien vor der Schulkonferenz und dann noch einmal während der Protestaktionen – wobei er selbst eine PB-Stunde hielt – und zum nächsten Schuljahr wurde etliche Arbeitsverträge entfristet, so dass die Arbeit solide weitergeführt werden konnte. Denn es gab auch noch genug Kollegen, die absichtlich bei uns bleiben wollten.

Und noch etwas hatten wir gelernt: Man kann auf unsere Eltern und Schüler bauen.

2003-2008: Zentrale Prüfungen und ganz viel (freiwillige) Hausaufgaben

Zu Beginn der Schuljahres 2003 traf sich das gesamte Kollegium zu einer Klausurtagung in Bantikow, die mittlerweile legendär geworden ist. Dabei wurden wesentliche Weichen für die Zukunft gestellt. Das Doppelvorhaben dieses Herbstes – Ganztagsangebot beantragen und Sportbetonung umsetzen – machte viele Energien frei.

Zum Schulfest im Serptember 2003 ging unsere völlig neu gestaltete Homepage unter der neuen Adresse www.kantschule-falkensee.de ins Netz.

Die Ganztagsanträge, jeweils im Dezember der Jahre 2003 und 2004 (geschlossener Ganztag) bzw. 2006 und 2007 (offener Ganztag) gestellt, wurden von Jahr zu Jahr dünner, weil bald klar wurde, dass unsere ambitionierten Pläne von 2003 nicht genehmigungsfähig waren. Im April 2008 bekamen wir dann den Bescheid, dass wir ganztagsschulische Angebote in offener Form vom Schuljahr 2008/2009 an anbieten durften.

Die Sportbetonung war leichter zu erreichen; die Genehmigung für einen WP I-Kurs in Sport wurde beim ersten Anlauf erteilt; der entsprechende Unterricht begann im September 2005. Was den zweiten Teil angeht – Angebot eines Sport-Leistungskurses in der Sek II – so wurden wir bisher immer ablehnend beschieden.

Aber es gab auch andere Baustellen – so viele, dass wir glatt das 20jährige Jubiläum unserer Schule verschliefen.. Sowohl in der Sek I – zentrale Prüfungen nach der 10. Klasse (P10) – als auch in der Sek II – Zentralabitur – standen die Fachbereiche und die Schulleitung vor großen Herausforderungen, die jedoch gemeistert wurden: Die Kantschüler sind bei den Prüfungen immer ungefähr im Landesdurchschnitt eingelaufen; ein Beweis dafür, dass im Unterricht gute Arbeit geleistet wurde und wird.

Das Schuljahr 2007/2008 stand einerseits ganz im Zeichen der Erarbeitung des Schulprogramms, das im Juni verabschiedet werden soll. Das bedeutet Sitzungen von unzählichen Steuerungsgruppen, Koordinierungsarbeit und Abstimmung mit den Gremien. Im November wurde mit breiter Mehrheit ein Leitbild verabschiedet, und der neue Leitspruch unserer Schule – „Dem Lernen Zeit geben“ – macht unsere Position innerhalb der Falkenseer Schullandschaft besonders pointiert deutlich: Anders als die Gymnasien mit ihrem Abitur in 12 Jahren für die Besten, lassen wir uns die nötige Zeit, damit auch Spätstarter ihre gerechte Chance bekommen.

Im Hintergrund, so sei noch erwähnt, befassen sich alle Fachkonferenzen mit der Umsetzung der neuen Rahmenlehrpläne, die beinahe im Jahrestakt erscheinen – am Horizont erwarten uns schon die gemeinsamen einheitlichen Pläne der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg, die wieder neu eingearbeitet werden müssen.

2008 – und wie weiter?

Nichts ist dauerhafter als der Wandel, so hieß es am Anfang, und die voraufgehende Darstellung sollte deutlich gemacht haben, dass dies ganz bestimmt für die Kantschule gilt.

Trotzdem sollte jetzt eine Konsolidierungsphase einsetzen.

Es wird höchstwahrscheinlich ein zweites Gymnasium in Falkensee erreichtet: Das fordert uns heraus. Wir nehmen die Herausforderung an. Denn wir glauben, dass wir eine gute Schule sind für alle Schüler, mit allen Schulabschlüssen, die Zeit zum Lernen gibt, Zeit auch für Sportvereine und Nachmittagsveranstaltungen, Zeit zum Leben, die wir alle brauchen.

Diese Zeit wollen wir uns auch als Schule nehmen.

Hartmut Riedel
(Vorsitzender der Schulkonferenz und Webmaster)

Sommer 2008

Und wer schreibt diese Chronik weiter?

Denn fünf Jahre später ist schon wieder alles ganz anders; nur noch aus dem Weltall erkennt man die Schule am orangefarbenen C-Gebäude, alles andere ist steht wieder auf Anfang.