Eine Holocaust-Überlebende berichtet

 

Die Gelegenheit, Berichte von Zeitzeugen aus der dunkelsten Zeit Deutschlands zu hören, geht langsam vorbei. Denn vierundsiebzig Jahre nach dem Zusammenbruch des sog. Dritten Reiches lebt kaum noch jemand, der berichten könnte. Und diejenigen, die noch da sind, waren zu jener Zeit meistens noch Kinder. So wie Tamar Landau. Eine Dame, die heute 87 Jahre alt ist und in Israel lebt.
Sie erlebte als Kind die Reichskristallnacht in einem Ort in Niederschlesien und kurz danach wurde sie und ihre Familie in ein Ghetto in die Nähe von Auschwitz verschleppt. Sie erlebte die Trennung von ihrer Familie, zunächst von der Mutter und den Geschwistern, dann vom Vater. Durch die Klugheit ihrer Cousine, die ihr Alter heraufsetzte, gelang es ihr, in ein Arbeitslager zu kommen anstatt ins KZ. In diesem Arbeitslager musste sie jahrelang unter schlimmen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Doch das Schlimmste stand ihr noch bevor: Im kalten Winter 1945 mussten sich die gefangenen Frauen auf einen 42-tägigen „Todesmarsch“ begeben. Von den etwa 1000 Frauen kamen nur etwa 200 Frauen am Ziel, im KZ Bergen-Belsen, an. Da kam man sich vorstellen, was die Frauen unterwegs erlebt haben müssen. Nach der Befreiung gelangte Tamar nach Hamburg, von wo sie mit anderen jüdischen Waisenkindern nach Palästina ausreisen durfte. Dort gründete sie später eine Familie und versuchte die Schrecknisse aus ihr Kindheit und auch Deutschland und die Deutschen zu vergessen. Nach vielen Jahren gelangte Landau eher zufällig als gewollt wieder in Kontakt mit Deutschland. Es begann eine intensive Auseinandersetzung mit Deutschland und der eigenen Vergangenheit, die damit endete, dass Frau Landau sich der aufklärerischen Arbeit verschreib, als Zeitzeuge zu fungieren.
Und so kam sie am 22.05.2019 auch an die Kantschule, um im Rahmen des Politikunterrichts aus ihrem Leben zu berichten. Es hörten ihr Schüler aus der 10., 11. und 12. Jahrgangsstufe ganz gespannt zu. Frau Landau hat eine wunderbare Art zu berichten. Eine langsame, deutliche und sehr anschauliche Sprache, einen sehr herzlichen Ausdruck in ihren Gebärden. Man konnte sich kaum vorstellen, dass diese gute, alte Frau all dies Schreckliche erlebt hatte. Und doch war es so; Sie hat die schlimmen Zeiten überlebt, nicht ohne Schaden, aber ohne gebrochen zu werden.
Wir danken Frau Landau für ihren herzlichen Vortrag. Wir danken auch ihrem Sohn, der sie auf ihrer Reise durch Deutschland begleitet. Und wir danken auch Herrn Wellmann aus dem Haus am Anger und Frau Guist, die diese Veranstaltung organisierten.