Erasmusfahrt nach Lyon – eine Woche voller Begegnungen, Hitze und neuer Perspektiven
Am Sonntagmorgen trafen Frau Rambow und ich uns mit den ausgewählten Schülerinnen und Schülern der Wahlpflichtkurse Französisch der 8. Jahrgangsstufe sowie deren Eltern auf dem Bahnsteig. Für einige war es die erste große Reise ohne Familie – entsprechend mischten sich Aufregung, Neugier und eine spürbare Portion Vorfreude. Gemeinsam blickten wir der kommenden Woche in Lyon gespannt entgegen.
Nach rund zwölf Stunden Zugfahrt, in denen wir andere Schulklassen kennenlernten, Karten spielten, lachten und die vorbeiziehende Landschaft aus den Zugfenstern beobachteten, erreichten wir bei sommerlichen 30 °C den Bahnhof Lyon Part-Dieu.
Der erste kleine Kulturschock ließ nicht lange auf sich warten. Alles war auf Französisch, die Straßen wirkten fremd, die Geschäfte anders als zu Hause – und plötzlich stand die Frage im Raum: Wo müssen wir eigentlich hin? Also machten wir uns gemeinsam auf den Weg zu unserem Hostel und ließen die Stadt Schritt für Schritt auf uns wirken.
Montag: Croissants, Métro und erste Begegnungen
Am Montagmorgen warteten bereits die im Unterricht so oft besprochenen Croissants und Pains au chocolat auf uns. Spätestens jetzt war klar: Wir sind wirklich in Frankreich angekommen. Gestärkt fuhren wir anschließend mit der Métro und dem Bus zu unserer Partnerschule.
Dort wurden wir herzlich von der Schulleiterin, der Deutschkollegin sowie ihren Schülerinnen und Schülern empfangen. Nach einem Vormittag mit Kennenlernspielen und einer Führung durch die Schule nahmen wir gemeinsam in der Schulkantine das Mittagessen ein. Der Tag war geprägt von vielen kleinen Momenten interkulturellen Lernens – vom ersten vorsichtigen Gespräch bis zum gemeinsamen Lachen über Sprachmissverständnisse.
Am Nachmittag stand eine Stadtführung mit Fahrrädern auf dem Programm, die mit einem gemeinsamen Besuch in einem Bistrot endete. Der Fahrtwind sorgte nicht nur für Abkühlung, sondern auch für das erste Gefühl von Freiheit in dieser großen Stadt.
Dienstag: Markt, Picknick und Kommunikation ohne Worte
Am Dienstagmorgen trafen wir unsere französischen Partner im Stadtviertel La Croix-Rousse. In Kleingruppen arbeiteten die Schülerinnen und Schüler an ihrem interkulturellen Projekt weiter. Sie besuchten einen französischen Wochenmarkt, fotografierten Läden und Geschäfte und kauften im Supermarkt alles Nötige für unser gemeinsames Mittagspicknick im Parc de la Tête d’Or ein.
Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke wurde die Suche nach Wasserspendern und schattigen Plätzen schnell zur Routine. Den Nachmittag verbrachten wir schließlich im Park, nutzten die Zeit zum Austausch und beobachteten, wie ganz selbstverständlich erste Freundschaften entstanden. Telefonnummern und Snapchat-Namen wurden getauscht, und neben Deutsch, Französisch und Englisch kamen auch Hände, Gestik und Mimik zum Einsatz.
Am Abend im Hostel wurden die vielen Eindrücke des Tages verarbeitet – meistens begleitet von mehreren Runden Uno.
Mittwoch: Geschichte und Gegenwart der Demokratie
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Demokratieförderung. Am Vormittag besuchten wir das Musée de la Résistance. Lyon spielte im Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle im Widerstand, weshalb dieses Thema fest zum Programm unserer Fahrt gehörte.
Im Anschluss folgte ein Besuch im deutschen Generalkonsulat. In einem Gespräch mit der Generalkonsulin konnten die Schülerinnen und Schüler Fragen zum Leben in Lyon, zu den Aufgaben einer Diplomatin und zur deutsch-französischen Zusammenarbeit stellen. Ein besonderer Moment, in dem Politik plötzlich greifbar wurde.
Donnerstag: Freibad, Boulangerie und kulinarische Mutproben
Am Donnerstag begann der Tag mit einem Besuch im Freibad direkt an der Rhône – mit Blick auf die Altstadt Lyons und dringend benötigter Abkühlung. Zum Mittag gingen wir in eine Boulangerie, wo die ausgesprochen geduldigen Verkäuferinnen mit jeder Schülerin und jedem Schüler ein nahezu lehrbuchmäßiges Verkaufsgespräch führten – ungeachtet der wachsenden Schlange wartender Kundinnen und Kunden.
Lyon zeigte sich uns von seiner besten Seite. Entgegen mancher Vorurteile begegneten uns die Lyonerinnen und Lyoner stets freundlich, offen und interessiert. Einige sprachen uns sogar auf Deutsch an und wollten wissen, welche Art von Reise wir unternahmen.
Am Abend bot sich für die Mutigen die Gelegenheit, Schnecken und Muscheln zu probieren. Die Reaktionen darauf fielen – höflich formuliert – sehr unterschiedlich aus.
Freitag: Hügel, Altstadt und große Küche
Unser letzter Tag verlangte uns noch einmal einiges ab. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg zur Cathédrale Notre-Dame de Fourvière, die auf einem der drei Hügel Lyons thront. Der Aufstieg war schweißtreibend, der Ausblick dafür umso lohnender: Von oben bot sich uns der wohl schönste Blick über die Stadt.
Der Abstieg führte durch den ältesten Stadtteil, Le Vieux-Lyon, mit seinen engen Gassen, Geheimgängen, kleinen Restaurants und den typischen „Bouchons“.
Als Geburtsort von Paul Bocuse, einem der bekanntesten französischen Sterneköche, zählt Lyon zu den kulinarischen Zentren Frankreichs. In den Halles de Paul Bocuse – einer Markthalle voller hochwertiger Lebensmittel – konnten die Schülerinnen und Schüler Souvenirs und französische Spezialitäten für ihre Familien erwerben.
Den Abschluss unserer Reise bildete ein gemeinsames Picknick am Ufer der Rhône. Durch Glück und Zufall durften wir an diesem Abend sogar Zirkuskünstler erleben, die einen kostenfreien Einblick in ihr Programm gaben. Am Fluss, mit Blick auf die beleuchtete Altstadt und die angestrahlte Kathedrale, wurde noch einmal deutlich, wie besonders diese gemeinsamen Momente sind – auch für uns Lehrkräfte.
Samstag: Rückreise mit vollem Gepäck
Am Samstag traten wir die zwölfstündige Rückreise mit TGV und ICE an. Im Gepäck: unvergessliche Erinnerungen, neue Erkenntnisse, gewachsene Bekanntschaften – und natürlich jede Menge französischer Spezialitäten.
